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ZeitGeister | Philosophische Praxis

Philosophie der Psyche

Category: Moderne

Energie und Ethik

Leitbilder im philosophischen Diskurs

Rio de Janeiro, Berlin, Kioto und Buenos Aires — weitere Konferenzen der UNO werden hinzukommen in dem Bemühen um international verbindliche Vereinbarungen zum Schutz der Erdatmosphäre. Die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Gas oder Öl im derzeitigen Umfang führt zu erhöhten Konzentrationen von Kohlendioxid in der Atmosphäre, wodurch aller Voraussicht nach das Klima der Erde entscheidend verändert wird. Als Folge erwarten die meisten Experten eine Temperaturerhöhung und damit die Ausdehnung von Trockengebieten, eine Erhöhung des Meeresspiegels sowie die Zunahme von Wirbelstürmen, Überschwemmungen und extremen Wetterlagen. Um die damit einhergehenden Folgen abzumildern, versucht die internationale Staatengemeinschaft, Reduktionsziele für CO2 festzulegen. So hat sich beispielsweise Deutschland verpflichtet, 25% bei der CO2 –Emission bis zum Jahre 2005 einzusparen. Allerdings sind diese Maßnahmen nicht unumstritten, denn die Simulationen der zukünftigen Klimaentwicklung geben immer noch hinreichend Raum für Interpretation und Spekulation.

Heinz--Ulrich Nennen, Georg Hörning (Hrsg.): Energie und Ethik. Leitbilder im philosophischen Diskurs. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1999.

Heinz–Ulrich Nennen, Georg Hörning (Hrsg.): Energie und Ethik. Leitbilder im philosophischen Diskurs. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1999.

Auch natürliche Klimaschwankungen sind erheblich. Eiszeiten, Zwischeneiszeiten, Wärme– und Kälteperioden, mitunter ausgelöst durch Meteoriteneinschlag, sind immer wieder zu verzeichnen gewesen. Diesen Katastrophen sind ganze Kulturen zum Opfer gefallen, allerdings sind sie ohne das Hinzutun des Menschen eingetreten. Die Möglichkeit einer anthropogenen globalen Klimaänderung ist dagegen ein absolutes Novum in der Erdgeschichte. Mittlerweile befassen sich Versicherungsunternehmen in wohlverstandenem Eigeninteresse verstärkt mit Maßnahmen zur Vorsorge.

Selbst wenn die Weltklimamodelle auf absehbare Zeit keine dezidierten Vorhersagen erlauben sollten, so wäre es auch aus anderen Gründen sinnvoll, nach Wegen zu suchen, den Einsatz fossiler Energie zu begrenzen. Im Gegenteil, es wäre begründungspflichtig, den bisherigen Einsatz dieser Energien im gewohnten Umfang beizubehalten, obwohl Alternativen zur Verfügung stehen. Konkret stellt sich damit die Frage globaler Umweltveränderungen als Herausforderung an das Gestaltungsvermögen vor Ort. Die Motive sind vielfältiger Natur, sie reichen von der Sorge um den Verlust an Lebensqualität bis hin zu wirtschaftlichen, sozialen und entwicklungspolitischen Anliegen.

Das Problem

Es sind nicht lediglich Fragen der Technik angesprochen, wenn es um die Gestaltung zukünftiger Energiesysteme geht. Das wird besonders dort deutlich, wo unterschiedliche Verständnisse von Verzicht aufeinander treffen. Allein die Differenzierung, ob es sich um ein Verzichten müssen oder um ein Verzichten können handelt, ist bezeichnend für die Ebene auf der sich der Energie–Diskurs bewegt. Welche Technik, welches Verhalten und welcher Zukunftsentwurf sind maßgeblich für die Gestaltung der künftigen Energieversorgung? Diese Aspekte von Technikfolgenbewertung lassen sich in Leitbildern verdichten, mit denen sich auch Generationen voneinander abgrenzen.

Unterschiedliche Leitbilder miteinander in den Diskurs zu bringen, war Aufgabe des hier dokumentierten Prozesses. Es galt zu beurteilen, welches von vier exemplarischen Szenarien einer zukünftigen Energieversorgung und –nutzung zu empfehlen sei. Dabei werden unmittelbar Fragen der Ethik aufgeworfen, insbesondere dort, wo Grundrechte zur Disposition stehen könnten. Die Wahl einer der möglichen Strategien zur CO2 –Reduktion stellt eine Herausforderung an die demokratische Kultur dar, weil sich mit diesen Strategien unterschiedliche Lebensstile verbinden.

Diskurse zur Energiefrage sind Ausdruck tiefergehender gesellschaftlicher Konflikte: Verschiedene Entwürfe eines gelingenden Lebens oder einer erfolgreichen und erstrebenswerten Wirtschaftsweise stehen zur Debatte, gerade weil nicht lediglich Technologien der Stromerzeugung oder Nutzungstechniken, wie Kernenergie und 3–Liter–Auto, im Vordergrund stehen. Gesamtgesellschaftliche Konfliktlösungen lassen sich immer weniger aus der tagespolitisch motivierten Zusammenschau isolierter Perspektiven ableiten. Stattdessen ist eine Gesamtschau erforderlich, im Wechsel der Perspektiven verschiedene, auf konträren Leitbildern beruhende Optionen zu Energienachfrage und –versorgung zu eröffnen.

Die Bewertung der Optionen erfordert einerseits den philosophischen Diskurs sowie andererseits ein geeignetes Verfahren der Bürgerbeteiligung, wobei entscheidend ist, daß es um mehr geht, als um den isolierten Ausdruck partikularer Fachinteressen, wirtschaftlicher Folgen oder gesellschaftlicher Konsequenzen, sondern um den umfassenden Prozeß der Abwägung vor dem Hintergrund des gesamten Fragespektrums. Dazu sind ein fundiertes Aufarbeiten der Sachlage, die Darstellung realistischer Handlungsoptionen einschließlich der möglicherweise damit einhergehenden Konsequenzen sowie eine Reflexion der gesellschaftlich relevanten Bewertungskriterien aus der Sichtweise von Betroffenen erforderlich.

Immer häufiger werden auch Ethiker um Rat gefragt, wenn es um Fragen der Zukunftsgestaltung geht. Oftmals wird dabei unterstellt, seitens der philosophischen Ethik ließen sich unanzweifelbare und eindeutige Antworten, ›richtige‹ und ›allgemeingültige‹ Lösungs– und Bewertungsstrategien bei kontrovers diskutierten Sachverhalten für die verantwortliche und verantwortbare Entscheidungsvorbereitung geben. Dieser Erwartung kann nicht entsprochen werden: Ein solches philosophisches ›Machtwort‹ kann nicht die Aufgabe der philosophischen Ethik sein. Vor dem Hintergrund einer angespannten Welt, in der fundamentalistische Strömungen mit der Wissenschaft um das Monopol der Weltdeutung ringen, können weder Ethik noch Philosophie zu Garanten letztverbindlicher Handlungsmaximen und allgemeinverbindlicher Gesichtspunkte der Bewertung werden. Aufgabe der Philosophie kann es schon gar nicht sein, vorschnell Partei zu ergreifen. Sie kann Anregungen geben und auch advokatorisch provozierende Positionen vertreten — in der Hoffnung, neue Optionen und Perspektiven zu eröffnen.

 

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Diskurs

Begriff und Realisierung

Diskurs ist italienischen Ursprungs, frühen Belegstellen zufolge werden damit genau jene Gesprächsverläufe bezeichnet, die von Zuhörern als ausgesprochen enervierend empfunden worden sein dürften. Im Unterschied zur offenen Atmosphäre eines Gesprächs erscheint der Diskurs in seiner ursprünglichen Bedeutung zunächst als eine nicht leicht zu ertragende, monologisierende weit ausschweifende Redefolge, bei der die Wortführer selbst zwischenzeitlich offenbar die Orientierung darüber verlieren, was sie eigentlich hatten sagen wollen. Die Teilnehmer kommen dann – wie es in einem zeitgenössischen Text heißt – nach langem Herumirren aus dem Wald heraus als solche, die viel reden, aber nichts sagen.

Heinz–Ulrich Nennen (Hrsg.) 2000 Diskurs. Begriff und Realisierung. Würzburg: Königshausen & Neumann Verlag. [ISBN: 9783826017544]

Wäre die Wortbedeutung bei diesem rein negativen Bild geblieben, so würde uns der Begriff heute vermutlich kaum noch etwas wesentliches sagen. Aber im Verlauf der Begriffsgeschichte läßt sich die Integration gegenläufiger Motive nachweisen, und dabei geht es um das entgegengesetzte Moment der ursprünglichen Feststellung, um Orientierung inmitten des Herumirrens. Das Ziel derartiger Exkurse sei vielmehr, so ein Rhetorik-Buch aus dem 16. Jhrd. über Angelegenheiten des Gemeinwesens so zu reden, wie es ihrem Charakter angemessen ist.

Das Wortfeld Diskurs, Diskursivität, diskursiv leitet sich ab von lat.:  discurrere, ‚auseinanderlaufen, Erörterung, Verhandlung‘, auch ‚heftiger Wortwechsel‘. Diskursiv wird ein Denken genannt, das sukzessiv verfährt, dabei wird das Ganze zunächst in seinen Teilen durchlaufen und in seiner Gesamtheit erst allmählich erkennbar. Wesentlich ist, daß es sich um ein methodisches, systematisches und insbesondere um ein begriffliches Vorgehen handelt.

Begrifflich, wie häufig in Definitionen angeführt, muß ein Diskurs vonstatten gehen, weil es dem menschlichen Erkenntnisvermögen seiner Natur nach nicht gegeben ist, durch unmittelbare Anschauung zur unbedingten Erkenntnis zu gelangen. Sukzessiv muß ein Diskurs verfahren, weil es eben nicht gelingt, alle einschlägigen Perspektiven gleichzeitig einzunehmen. Im Umherlaufen lassen sich zwar verschiedene Motive und Momente erfahren, deren Dignität wird aber erst nach und nach bewußt. Erst die intersubjektiv nachvollziehbare Integration aller entscheidenden Perspektiven läßt ein hochgradig angemessenes Beurteilungsvermögen in der anstehenden Sache erwarten, das womöglich allen Sphären, so wie es ihnen zukommt, gleichermaßen gerecht zu werden verspricht.

Der Begriff und die mit ihm verbundenen unterschiedlichen Theorien erfahren in der späten Moderne eine umfassende Beachtung auch außerhalb akademischer Kreise. Zwei Richtungen lassen sich dabei einander gegenübergestellen:

  • Eine deutsche Schule der Diskurstheorie, im wesentlichen als Verbindung aus der Kantischen Philosophie und Elementen der anglo-amerikanischen Sprechakttheorien, um im Rahmen einer Theorie des kommunikativen Handelns diskursethische Prinzipien zu ermitteln.
  • Eine französische Schule der Diskursanalyse, die im Anschluß an die Rationalitätskritik Nietzsches und Heideggers mit Positionen eines als postmodern verstandenen Neostrukturalismus verbunden ist und in Diskursen eher Phänomene der Machtausübung identifiziert.

Derartig eklatante Widersprüche erfordern die ‚Arbeit am Begriff‘, nicht zuletzt auch in Hinsicht auf die damit einhergehenden Anforderungen an Praxis. Solche Programmatik ist allemal interpretationsbedürftig, denn Diskurs ist zum Ideal, Diskursivität zu einem Qualitätskriterium geworden, um die Dignität und das Legitimationsvermögen von Prozessen der politischen Willensbildung zu überprüfen. Bei anstehenden Entscheidungen in Fragen von gesamtgesellschaftlicher Tragweite, insbesondere von Verfahren der Technikfolgenabschätzung wird erwartet, daß sowohl dem Stand der Wissenschaft als auch den Belangen der Öffentlichkeit entsprochen wird. Der Anspruch auf Diskursivität wird somit zum theorieförmigen Modellfall einer gelingenden Praxis.

Während es für die Rationalität wissenschaftlich-technischen Vorgehens unwesentlich sein mag, welchen Zielen eine Technik letztlich dient, wird bei ethischen Erwägungen gerade dieser Aspekt zum Thema. Entscheidend ist, wie sich nunmehr auf methodologische Weise eine problemzentrierte Ethik erreichen läßt, auch und gerade für solche Situationen, die bereits durch mangelnde Gemeinsamkeiten in grundlegenden Orientierungsfragen gekennzeichnet sind. Unter säkularen Bedingungen sind daher bereits die Ausgangsbedingungen gesellschaftlicher Diskurse umstritten. Fraglose Gewißheiten lassen sich kaum noch konstatieren und sind disponibel geworden, wenn bereits im Vorfeld praktischer Diskurse zunächst in Erfahrung zu bringen ist, wo die wahren Ziele liegen könnten:

Auch die in repräsentiven Demokratien obligate Delegation ist bei derart zukunftsrelevanten Entscheidungen nicht mehr unangefochten; es wird daher entscheidend, unter den Bedingungen der modernen Industriezivilisation Methoden zu entwickeln, durch die es gelingen kann, die Vernünftigkeit eines Vorschlags, einer Forderung oder einer Behauptung zu erweisen. Begründungen stellen ihrerseits jedoch noch keine Gemeinsamkeiten her, sie sind zunächst nur ein Ersatz für fehlende Gemeinsamkeit, insbesondere dort, wo gemeinsame Leitvorstellungen nicht mehr oder noch nicht vorliegen. Der Diskurs wird somit zum Intermedium, um die Erörterung über Geltungsansprüche systematisch aufzunehmen, aber auch um gestörte Interaktionsverhältnisse wieder herzustellen.

Diskursivität wird somit zum Substitut für den Verlust der Funktion vormaliger Wertethik; entscheidend sind Anforderungen an die Qualität der Verfahren, in denen die Legitimität vorgebrachter Geltungsansprüche auf ihre tatsächliche Dignität hin überprüft wird, wobei die Geltungsgesichtspunkte selbst transparent und somit allgemein nachvollziehbar vorgebracht werden müssen. – So plausibel sich die notwendigen Anforderungen seitens dieser Theorie(n) als Anforderung an die Praxis ableiten lassen, ebenso umstritten sind die Probleme, die sich einstellen, im Sinne dieser Forderung Diskursivitätpraktisch werden zu lassen. Im Rahmen dieses Buches wurde der Versuch unternommen, diese in der Praxis aufgeworfenen Fragen näher zu betrachten.

Die Beiträge dieses Bandes gehen auf zwei Workshops zurück, die von der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg veranstaltet wurden mit dem Ziel, Möglichkeiten diskursiver Technikfolgenabschätzung auszuloten. Ein erster Workshop fand unter dem Thema Diskurs – Der Begriff im Kontext der einzelnen Disziplinen im September ’96 statt, ein zweiter Workshop folgte im März ’97, um sich vor allem mit den Möglichkeiten einer diskursiven Technikfolgenabschätzung zu befassen.

Die Autoren dieses Bandes haben es sich zur Aufgabe gemacht, unterschiedliche Theorien des Diskurses systematisch auf die damit verbundenen Anforderungen an eine solche Praxis zu untersuchen. Die Beiträge zeigen, wie der Diskursbegriff in das Selbstverständnis unterschiedlicher theoretischer Disziplinen ebenso wie in die Belange praktischer Verfahrensweisen Eingang gefunden hat. Das Themenspektrum der Abhandlungen reicht von Vernunft, Ethik und Ästhetikbis hin zu Fragen der Wissenschaftsorganisation, der Technikfolgenabschätzung, des Demokratieverständnisses und der Alltagsvernunft. Die theoretische Leistungsfähigkeit des Diskursbegriffs sollte dabei herausgearbeitet werden, gleichfalls waren die Chancen und Grenzen diskursiver Verfahren in der gesellschaftlich-politischen Praxis zu erörtern.

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Das Expertendilemma

Zur Rolle wissenschaftlicher Gutachter in der öffentlichen Meinungsbildung

Was ist im Spiel, wenn in der Politikberatung die Aussagen wissenschaftlicher Experten einander widersprechen? Diese Frage bewegt Politiker, die von der Wissenschaft Rat erwarten, sie beschäftigt viele Wissenschaftler selbst, die Öffentlichkeit zumal. Auseinandersetzungen um divergierende Expertengutachten sind häufig von der Hypothese geprägt, schwarze Schafe in der Wissenschaft würden die Beförderung eigener oder fremder Interessen über die strenge Norm des ausschließlichen Ringens um Wahrheit stellen. Wo es um die Technikfolgenforschung und –bewertung geht, stellen sich häufig gerade derartige Probleme. Daher hat die Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden–Württemberg den Diskurs ‘Expertendilemma’ angeregt.

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Heinz–Ulrich Nennen, Detlef Garbe (Hrsg.): Das Expertendilemma. Springer Verlag; Berlin, Heidelberg 1996.

Heinz–Ulrich Nennen, Detlef Garbe (Hrsg.): Das Expertendilemma. Zur Rolle wissenschaftlicher Gutachter in der öffentlichen Meinungsbildung. Springer Verlag; Berlin, Heidelberg 1996.

Der Begriff ‘Expertendilemma’ bezeichnet eine Situation, in der zu einem bestimmten Sachverhalt verschiedene Gutachten eingeholt worden sind, die zu divergierenden, oft widersprüchlichen Aussagen kommen. Vom ‘Expertendilemma erster Art’ wird dann gesprochen, wenn Widersprüche wissenschaftsintern auftreten. Das ‘Expertendilemma der zweiten Art’ zeigt sich dagegen an der Nahtstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit bzw. Wissenschaft und Politik. Zum einen wird die Expertise in der politischen Praxis häufig als selektives Instrument benutzt, um bereits getroffene Entscheidungen nachträglich zu legitimieren, statt anstehende Entscheidungen darauf zu stützen. Zum anderen, was gravierender ist, hat sich die Praxis herausgebildet, daß der Politiker damit rechnen kann, zu jeder Sachfrage das gewünschte, als ‘wissenschaftlich’ bezeichnete Gutachten zu bekommen. — Diese Problematik ist bis dato, sowohl auf theoretischer wie praktischer Ebene, weder für die Wissenschaft(en) selbst, noch für Politik, Wirtschaft oder in den Augen der Öffentlichkeit adäquat beantwortet. Ziel war es daher, zunächst die von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit wahrgenommenen Dilemmata offenzulegen, zu diskutieren und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen in der Frage, ob die Anzweifelbarkeit von Gutachten, wie vielfach behauptet, gleichermaßen zu einem Autoritätsverlust der Wissenschaft führen muß.

Unstrittig scheint zu sein, daß damit ein Krisenphänomen angesprochen ist, von dem die in der Debatte um mögliche Entwicklungsziele und –wege begriffenen modernen Industriegesellschaften und damit entsprechende Weiterentwicklungen selbst betroffen sind. Zu den absehbaren Ergebnissen dieser Debatte ist zu zählen, daß auf der einen Seite den Wissenschaften im Verhältnis zur Öffentlichkeit ein mangelndes Eingehen auf spezifische Problemstellungen attestiert werden muß. Ebenso läßt sich auf der anderen Seite, bei politischen Entscheidungsträgern ebenso wie in der Öffentlichkeit, ein fehlender adäquater Umgang mit dem Eingeständnis des Nicht–Genau–Wissens der Experten feststellen. Somit sind Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit gleichermaßen gefordert. Insofern ist das ‘Expertendilemma’ weniger ein Dilemma der Experten, denn nicht diese, sondern ihre Klienten, die Entscheider, müssen aus der Fülle alternativer Optionen wählen und sich entscheiden.

Die Mehrdeutigkeit der wissenschaftlichen Expertise muß aber nicht notwendig ein Problem für die Entscheider sein — im Gegenteil. Sie könnte auch als Möglichkeit begriffen werden, weitere Kriterien und Wertgesichtspunkte in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen. Damit gewinnt insbesondere die Politik Entscheidungs– und Handlungsspielräume wieder zurück, und auch die Öffentlichkeit selbst erscheint als nicht zu unterschätzender Faktor in den gesellschaftlichen Diskursen bei der Bewertung der Optionen möglicher Entwicklungen.

 

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Philosophische Praxis I

Persönliche Überzeugungen setzen sich zusammen aus einer Vielfalt von Motiven aus den unterschiedlichsten Sektoren, die wir aber häufig nur zum Teil selbst überprüft haben.  Vieles davon ist nicht selbst erdacht, sondern nur übernommen worden. Im Zweifelsfall, also immer dann, wenn man es wirklich genau wissen will, stellt sich die Frage, wie sicher, wie entscheidend, wie belastungsfähig unsere Vorannahmen und Vorstellungen wirklich sind. Dasselbe gilt für Lebensereignisse, die zu verstehen naturgemäß schwer fallen muß.

ms-philosophischeambulanz-4Die Kunst der philosophischen Praxis besteht darin, ein jedes Gesamturteil zunächst wieder aufzulösen in die einzelnen Bestandteile, aus denen es zusammen gesetzt ist. Vielleicht ergibt sich schlußendlich daß, was gedacht wurde, schon sehr angemessen gewesen sein muß, vielleicht ergibt sich aber auch eine völlig neue Sicht der Dinge. Es gilt, das eigene Urteilsvermögen nochmals selbst zu beurteilen, denn Wissen allein genügt nicht. Es könnte sich schließlich auch nur um gefühltes Überzeugtsein handeln, also um etwas, das nur wie eine konsequente Denkungsart erscheint.  –  Wenn etwas unbedingt gelten soll, dann muß es sich auch bewähren können. Also sollte es möglich sein, das eigene Wissen zu wissen, sich des eigenen Bewußtseins nochmals bewußt zu werden und auch dem eigene Fühlen noch einmal nachzufühlen. Alledem dient der Dialog in der philosophischen Praxis.

Entscheindend ist nicht das Ergebnis eines Gedankengangs. Viel wichtiger ist es, auf welche Weise das eigene Denken zustandekommt. Daher ist es so wichtig, auch das, was noch so selbstverständlich erscheint, zur Disposition zu stellen, denn wenn es etwas Bewährtes ist, denn was wirklich verläßlich ist, wird sich auch in einer Bewährungsprobe wieder als verläßlich erweisen. – Wir sollten also genauer in Augenschein nehmen, was wir wirklich wissen, was wir wissen müßten und was wir vielleicht gar nicht wissen können. So wird die Qualität aber auch die Begrenztheit des eigenen Urteilsvermögens genauer bewußt.

Philosophie ist insofern stets eine Frage nach den Grenzen desssen, was sich sagen läßt. Die Frage ist dabei immer, wie viel vom Ganzen haben wir eigentlich wirklich sicher im Blick? Philosophieren bedeutet, ein feines Gespür dafür zu entwickeln, wie weit einzelne Aussagen jeweils tragen, wann ein Wort seine Bedeutung zu verlieren beginnt, wann irgend etwas an einer Aussagen nicht mehr zutreffend sein kann…

Ich arbeite daher sehr intensiv mit Symbole und Allegorien aus Mythen und Märchen, insbesondere mithilfe von Idealen, wie sie die Götter verkörpern, weil sich dahinter manches verbirgt, was unserem Denken in abstrakten Begriffen wieder mehr Inhalt, mehr Leben, Geist und Gefühl vermitteln kann. Philosophie ist daher weit mehr als nur trockene Theorie und eiskalte Methode, sondern sie hat auch eine Praxis, die sich ganz anders darstellt, die nicht nur sehr unterhaltsam sondern auch erheiternd sein kann.  – Das Lachen ist schließlich ein immer wiederkehrender Topos in der Philosophie.

Philosophie ist nicht nur reine Theorie, sie hat auch eine Praxis.  Es gilt, mit der Sprache zum bisher nicht Gesagten vorzudringen.  Daher geht es auch um Inspiration, also darum, neue Eindrücke ebenso wie Gefühle zur Sprache zu bringen. Philosophie hat keineswegs nur mit Reden und Denken zu tun, es geht auch um Inspiration, um neuen Eindrücken ebenso wie Gefühlen mehr Raum zuzugestehen.  Philosophie ist nicht nur Theorie sondern auch Praxis, gelebte Praxis. Sie setzt daher eine geistige Mobilität voraus, die darauf aus ist, ständig den Standort zu wechseln, um dabei nicht selten auch die eigene Position, also sich selbst zu riskieren.

Gespräche sind generell möglich in Münster und Karlsruhe.

Kontakt:

Dr. H.-U. Nennen
heinz-ulrich.nennen@t-online.de
www.nennen-online.de

Prof. Dr. phil. Heinz-Ulrich Nennen
Karlsruher Institut für Technologie
Universität Karlsruhe
Institut für Philosophie
Franz-Schnabel-Haus
Fritz-Haber-Weg 7
D-76131 Karlsruhe
https://www.philosophie.uni-karlsruhe.de

 

Philosophische Praxis
Nieberdingstraße 16
48155 Münster

Tel.: 0171 4996709


Philosophie in Echtzeit

Die Sloterdijk–Debatte: Chronik einer Inszenierung. Über Metaphernfolgenabschätzung, die Kunst des Zuschauers und die Pathologie der Diskurse

Am 17. Juli 1999 hielt Peter Sloterdijk im oberbayerischen Schloß Elmau eine Rede mit dem Titel „Regeln für den Menschenpark“ – eine in Inhalt und Form überaus provokante Auseinandersetzung mit Fragen der Gentechnik im allgemeinen und des Klonens im besonderen. In über 1000 Artikeln und Rundfunkbeiträgen sowie zahllosen Leserbriefen artikulierte sich das Unbehagen an Sloterdijks unbequemen, schnell unter Faschismusverdacht gestellten Überlegungen.

Gerade dieser Skandal hielt sich beträchtlich lang in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Eskalation der Debatte begann, wie so viele zuvor, mit einem Faschismus–Vorwurf, verlief dann aber doch anders und endete eben nicht mit der Exkommunikation. Der Hype um die Sloterdijk–Debatte erreichte seinen Kulminationspunkt mit dem Philosophen–Kongreß in Konstanz und endete, als die Frankfurter Buchmesse eröffnet wurde.

Die Karawane öffentlicher Aufmerksamkeit war längst weitergezogen, so daß kaum Jemand ein winziges aber entscheidendes Detail noch hätte zur Kenntnis nehmen können. — Nur wer lange genug vor Ort blieb, einfach mit dem Gefühl, das könne noch nicht alles gewesen sein, sollte belohnt werden durch die Information über eine Begebenheit, auf die nur die Wirklichkeit kommt. Das Fazit ist dann auch überraschend mitten aus dem Leben gegriffen.

Heinz-Ulrich Nennen: Philosophie in Echtzeit. Die Sloterdijk–Debatte: Chronik einer Inszenierung. Über Metaphernfolgenabschätzung, die Kunst des Zuschauers und die Pathologie der Diskurse. Königshaus & Neumann, Würzburg 2003. [ISBN: 978-3-8260-2642-3] 650 S. 49,80 EU.

Heinz-Ulrich Nennen: Philosophie in Echtzeit. Die Sloterdijk–Debatte: Chronik einer Inszenierung. Über Metaphernfolgen-abschätzung, die Kunst des Zuschauers und die Pathologie der Diskurse. Königshaus & Neumann, Würzburg 2003. [ISBN: 978-3-8260-2642-3] 650 S. 49,80 EU

Dieses merkwürdige Detail war zwar schon frühzeitig bekannt, aber nicht ganz. Die inkriminierte Rede war schon zwei Jahre zuvor im Theater zu Basel auf einer Sonntagsmatinee zu Gehör gebracht und mit Gelächter goutiert worden. Die Ironie des ganzen Arrangements, die Spitzfindigkeit dieser Kritik am Humanismus, das Groteske an der These, der Humanismus habe versagt, man müsse nunmehr unter Einsatz der Gentechnik an die Verbesserung, vulgo, an die Züchtung des Menschengeschlechts herangehen, war unter dem Ausdruck großer Heiterkeit vom Publikum aufgenommen worden. Das alles hatte der Redner selbst zu Protokoll gegeben in den vielen Interviews dieser Tage und Wochen.

Was er jedoch offenbar nicht ohne Hintersinn ganz bewußt zunächst nicht publik gemacht hat, war ein ebenso winziges wie entscheidendes Detail. Darauf hatte niemand kommen können, der nicht dabei gewesen ist oder, der nicht nachrecherchiert hat im Theater zu Basel, was es mit dieser Matinee auf sich gehabt haben könnte. — Sloterdijk hatte höchstselbst berichtet von dieser Veranstaltung, in der er also anwesend gewesen sein muß. Was er aber nicht ausgeplaudert, sondern mutmaßlich ganz bewußt verschwiegen hat, war die nicht unerhebliche Tatsache, daß dieselbe Menschenpark–Rede von Elmau zuvor im Theater zu Basel von einem Schauspieler vorgetragen worden war. Es waren zwar dieselben Worte, aber Redner, Publikum und auch die Kulissen waren wie ausgewechselt. Die Ironie, die Satire und die humane Kritik am Humanismus kam gar nicht mehr oder ganz anders an. Noch dazu waren Berichterstatter vor Ort, die den Skandal suchten und fanden. Sie mißachteten dann auch die Signale der Ironie, sondern sahen und hörten, was sie gesehen und gehört haben wollen.

Es wäre ein wünschbarer Nebeneffekt dieser Studie, würde es künftig hin und wieder eine derartige Untersuchung in einem ähnlichen „Fall“ geben, nicht zuletzt, um die Qualität der Medien und ihrer Vertreter einmal mehr einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Dabei lassen sich große qualitative Unterschiede feststellen: Es gibt durchaus positive Beispiele auch in dieser Debatte, wo Berichterstatter und Kommentatoren mit gutem Gespür, großem Feingefühl und nicht zuletzt auch mit Sachkenntnis vorgegangen sind. Vorentschiedenheit und beflissentliche Parteilichkeit, gepaart mit Unverständnis, sind dagegen häufig die entscheidenden Faktoren für definitiv schlechte, falsche, möglicherweise bewußt falsche Berichterstattung, mit der niemandem und schon gar nicht der Öffentlichkeit gedient sein kann.

Die vorliegende Chronik der Sloterdijk-Debatte ist zugleich ein philosophisches Experiment, den Fall einer Skandalisierung einmal bewußt systematisch zu rekonstruieren, um zu beobachten, wie sich Information und Desinformation, Inszenierung und Gegeninszenierung zueinander verhalten, wie sich Öffentlichkeit im Zeitalter ihrer Medienförmigkeit konstituiert, wie sich dabei die Alltagsvernunft ausnimmt und wie es um die Idealität idealer Diskurse bestellt ist, — alles wiederum beobachtet unter Anleitung eines Chronisten und bewertet aus den wechselnden Perspektiven eines Zuschauers, von dem angenommen wird, daß dieser sich auf etwas Besonderes versteht: „Die Kunst des Zuschauers“, erst allmählich herauszubekommen, was eigentlich gespielt wird.

Heinz-Ulrich Nennen: Philosophie in Echtzeit @ Google Books

Heinz-Ulrich Nennen: Philosophie in Echtzeit @ Königshausen & Neumann Verlag

Heinz-Ulrich Nennen: Philosopie in Echtzeit. @ Amazon

 

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Dialog und Diskurs

Schwebendes Denken

Bezaubernde Bilder bezeugen, wie innig die Philosophie allem zugetan ist, was Flügel verleiht.

Bei Hegel beginnt die Eule der Minerva ihren Flug erst in der Dämmerung. – Platon schildert das Aufsteigen zur Erkenntnis mit der Allegorie vom Seelenwagen, bei dem es darum geht, am Triumphzug der Götter über das nächtliche Firmament, quer über die Milchstraße bis hin zum Reich der Ideen teilnehmen zu können. Aber den allermeisten Zeitgenossen fehle es dabei an “Federn”, auch beherrschen sie nicht die Selbstführung…   

Die Gedanken sind frei, es kommt darauf an, sie schweben, fliegen und aufsteigen zu lassen. Es kommt darauf an, daß sie stets offen bleiben, sich inspirieren zu lassen.

 

Philosophischer Salon Karlsruhe

 

 

 

 

 

Philosophische Ambulanz Karlsruhe

 

 

 

 

 

 

Philosophischer Salon | B-Side-Festival 2019 | Münster

  

 

Philosophisches Café Münster

 

 

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Wenn herkömmliche Orientierungen unsicher werden, dann stellen sich Fragen der Selbstorientierung. Neue Antworten lassen sich jedoch erst finden, wenn zuvor genügend Abstand genommen wird. Erst aus der Distanz läßt sich das Ganze umfassend in den Blick nehmen.  – Nur so kommt das Neue ins Denken und dazu ist Philosophie unverzichtbar. Philosophieren bedeutet, sich durch eigenes Denken zu orientieren, gerade dann, wenn vieles in der Schwebe ist.

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Neben dem philosophischen Dialog als intensiver Form, sich in Themen von existentieller Bedeutung einzufühlen, um sie zu erörtern, bietet das Philosophische Café die Möglichkeit, auch in größeren Gruppen tiefer miteinander ins Gespräch zu kommen. – Es gilt, nicht einfach nur die üblichen Standpunkte zu vertreten, sondern alle erdenklichen Positionen vorbehaltlos zu erörtern. So wird die Sache selbst allmählich gemeinsam entwickelt und nicht selten lassen sich ihr ganz neue Seiten abgewinnen. Manches erscheint dann in anderem Licht, so daß sich auch für die eigene Stellungnahme ganz neue Perspektiven eröffnen.

Das Philosophische Café versteht sich als Forum für eine Philosophie, die erst im gemeinsamen Gespräch aufkommen kann. Das Thema wird in der Regel nicht vorgegeben, es ergibt sich zwanglos fast wie von selbst. Der Gang des Gesprächs ist offen und dabei ist es nicht so entscheidend, wie sich andere Philosophen bereits dazu geäußert haben. Gewiß ist es anregend zur Kenntnis zu nehmen, was bereits gesagt worden ist, aber viel wichtiger ist es, sich selbst beim gemeinsamen Philosophieren zu erfahren.

Überzeugungen sollen nicht einfach nur vertreten, sondern dargelegt werden. Die Situation ist handlungsentlastet, nichts muß beschlossen werden. Niemand muß sich überzeugen lassen, denn wir überzeugen uns ohnehin immer nur selbst. Entscheidend ist, das eigene Denken an den Tag zu legen. Erst dann wird jene Freiheit spürbar, von der die Höhenflüge der Philosophie getragen werden. – Philosophie hat eben auch ihre Praxis: Es ist die Freude daran, wie unterschiedlich die Perspektiven doch sein können.

Kaum eine davon ist ohne Berechtigung, aber nur wenige davon sprechen wirklich fürs Ganze. Es gibt viele aber nicht unendlich viele Hinischten, aus denen sich dieselbe Sache betrachten läßt. Entscheidend sind daher vor allem solche Hinsichten, die in der Sache weiter bringen und helfen, besser zu verstehen, worauf es ankommen könnte.

Für den Gang solcher Untersuchungen prägte Hegel das Bild vom Flug der Eule der Minerva und bei Platon findet sich die Allegorie vom Seelenwagen. Diese bezaubernden Bilder bezeugen, wie innig die Philosophie allem zugetan ist, was Flügel verleiht, weniger um abzuheben, sondern um einen guten Überblick und neue Einblicke zu erhalten. – Alles was Flügel verleiht, hat daher einen symbolischen Bezug zur Philosophie, weil Federn zum Schreiben taugen, weil sie Gedanken beflügeln und weil dann nur noch die notwendige Seh-, Erkenntnis- und Urteilskraft dazu gehört, um erkennen zu können, was sich in der Dämmerung abzuzeichnen beginnt.

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Das ultimative Ziel solcher Reisen ist Platon zufolge eine Expedition ins Reich der Ideen. Beim Ausritt zusammen mit den Göttern über das nächtliche Firmament alle 10.000 Jahre kommt es darauf an, sehr schwere Himmelspassage zu bestehen, mit einem allzu menschlichen Gespann aus einem guten und einem schlechten Pferd. Viele stürzen dabei ab und fallen unmittelbar wieder ins Sein ohne sich wiedererinnern zu können. – Erst hinter dieser schwierigen Himmelspassage würde man zusammen mit den Göttern die Ideen anschauen.

Es kommt darauf an, die Kunst des Schwebens zu beherrschen. Dazu braucht es ,Federn`und die wachsen nur denen die lieben, denn die Liebe in ihrem heiligen Wahn soll wiederum Ähnlichkeit haben mit dem, wie denen zumute ist, die die Ideen erschauen. Und Platon zufolge verleiht gerade die Philosophie solche Flügel, schließlich geht es ihr – nicht nur dem Namen nach, um die Liebe zur Weisheit.

Solche Gespräche sind dazu angetan, die Sache selbst wie eine Feder durch den Atem aller, die mitreden und mitdenken, in der Schwebe zu halten, um beim gemeinsamen Philosophieren wie im Flug ins Reich der Ideen unterwegs  zu sein.

Feder-big

 


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